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Große Bilder wirken anders – Studienreport 2026

KölnMedien · Studienreport 2026 · Ideen / Technik / Wirkung

Große Bilder wirken anders.

Was Forschung über Aufmerksamkeit, Erinnerung und Kaufverhalten tatsächlich zeigt.

Drei Studien · reale Feldexperimente · kontrollierte Bildschirmtests

Illustration einer Messe mit großformatigem Köln-Display und Besuchern
KI-generiertes Symbolmotiv aus der bereitgestellten Reportvorlage; keine Aufnahme eines Studienversuchs.

Drei Studien, drei Messgrößen

Was die drei Studien tatsächlich belegen

Illustration von Messebesuchern vor einem Display mit Kölner Stadtpanorama
Symbolische Visualisierung eines Messeumfelds; kein empirischer Bildbeleg.

Dieser Report untersucht drei Arbeiten, die häufig in Diskussionen über große Displays, Digital Signage und visuelle Wirkung miteinander vermischt werden. Sie beantworten jedoch unterschiedliche Fragen. Die erste Studie misst reales Kaufverhalten im stationären Handel. Die zweite vergleicht die Verarbeitung von Werbung auf einem 22-Zoll-Display und einem 8-Zoll-Gerät. Die dritte untersucht, ob allein die physische Größe einer Projektion die subjektive Präsenz beim Filmschauen verändern kann, obwohl der Sehwinkel gleich gehalten wird.

Die wichtigste Regel für die Veröffentlichung

Die Ergebnisse dürfen nicht zu einer einzigen Prozentzahl zusammengezogen werden. Aus +8,1 % Kaufwahrscheinlichkeit, 73,1 % vs. 69,5 % Wiedererkennung und höheren Presence-Werten entsteht keine wissenschaftlich belegte Aussage wie „30–70 % mehr Aufmerksamkeit durch große LED-Wände“. Jede Zahl bleibt an die jeweilige Messmethode gebunden.

237Feldexperimente · Studie 1
77ausgewertete Personen · Studie 2
70Teilnahmen in 2 Filmexperimenten · Studie 3

Was sich zusammenfassend sagen lässt

  • Digital Signage kann in realen Verkaufssituationen die Kaufwahrscheinlichkeit beworbener Produkte beeinflussen.
  • In einem kontrollierten TV-Werbeexperiment waren Inhalte nach Betrachtung auf 22 Zoll schneller wiedererkennbar als nach 8 Zoll; die Evidenz für den Unterschied bei der Genauigkeit war schwächer.
  • Eine größere physische Projektion erhöhte in Experiment 1 einer Filmstudie die subjektive Presence bei konstantem Sehwinkel; Experiment 2 replizierte den Größeneffekt jedoch nicht signifikant.
  • Keine der drei Arbeiten beweist einen allgemeinen, situationsunabhängigen Prozentvorteil großer LED-Wände auf Messen.

Warum die Studien trotzdem für Medientechnik relevant sind

Für Messe- und Präsentationstechnik ist gerade die Kombination der Arbeiten interessant: Sie zeigen unterschiedliche Stufen einer möglichen Wirkungskette – Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, Gedächtnis und subjektives Eintauchen sowie schließlich reales Kaufverhalten. Die Übertragung auf eine konkrete LED-Wand muss aber als fachliche Einordnung formuliert werden, nicht als direkte Versuchsaussage.

Quellen: Herhausen, de Jong & Grewal (2026); Gumilevskaya et al. (2023); Troscianko, Meese & Hinde (2012).

Studie 1 · Digital Signage im realen Handel

237 Feldexperimente – wie die Messung funktionierte

Illustration digitaler Werbedisplays in einem Supermarkt
KI-generierte Handelsszene zur Einordnung. Die Datengrundlage stammt aus der unten genannten Studie, nicht aus diesem Bild.

Die Arbeit „In-Store Advertising with Digital Signage“ von Dennis Herhausen, David de Jong und Dhruv Grewal erschien im Journal of Marketing. Die Feldexperimente wurden zwischen 2018 und 2022 in zehn Filialen desselben Einzelhändlers in derselben Region eines westeuropäischen Landes durchgeführt. Das Land wird im Artikel nicht genannt. In jeder Filiale waren fünf digitale Displays installiert – insgesamt also 50 Bildschirme.

Die reale Umgebung

Die Bildschirme waren an der Decke in den Hauptgängen angebracht. Wenn kein Einkaufswagen mit RFID-Kennung in der passenden Position erkannt wurde, spielten die Displays allgemeinen statischen Händler-Content ohne Produktbezug und ohne Ton. Erst wenn sich ein Einkaufswagen in ungefähr 5 bis 10 Metern Entfernung im selben Gang befand und in Richtung Display orientiert war, startete zufällig eine der zu diesem Zeitpunkt hinterlegten Werbungen. Zusätzlich wurde gerichteter Ton eingesetzt.

Der RFID-Leser am Display protokollierte, welcher Einkaufswagen welcher Werbung ausgesetzt wurde. Am Ende des Einkaufs wurde die RFID-Kennung des Wagens mit dem Kassenbon verknüpft. Dadurch konnte festgestellt werden, ob das beworbene Produkt gekauft wurde. Laut Studie wurden dabei keine personenbezogenen Kundendaten erhoben; der Händler arbeitete im beschriebenen Prozess DSGVO-konform.

Umfang der Datengrundlage

Datengrundlage der untersuchten Digital-Signage-Kampagnen
Geschäfte10
Displays50
Kampagnen237
Verkaufstage1.321

In der statistischen Hauptanalyse erscheinen 29.999.084 Shopper-Kampagnen-Beobachtungen. Das sollte in einem Bericht nicht als „30 Millionen verschiedene Versuchspersonen“ bezeichnet werden. Die Autoren beschränkten die zentrale Stichprobe auf 10.504.430 Einkaufswagen-Nutzer, die im Studienzeitraum mindestens einen Artikel kauften und einen Bon erhielten. Ein Käufer konnte mehreren Feldexperimenten begegnen; im Mittel waren es 2,86 Experimente pro Einkaufswagen-Nutzer.

Warum die Rohdaten zunächst dramatischer aussahen

In einer modellfreien Betrachtung lag die Kaufwahrscheinlichkeit der exponierten Gruppe im Durchschnitt rund 50 % höher. Dies ist jedoch gerade kein geeigneter Werbeeffekt für eine Außendarstellung. Wer länger im Geschäft bleibt, hat gleichzeitig mehr Chancen, einem Display zu begegnen und mehr zu kaufen. Die Autoren behandeln diesen Selbstselektionseffekt deshalb statistisch. Für eine seriöse Darstellung ist der modellierte Wert maßgeblich – nicht die spektakulärere Rohdifferenz.

Herhausen, D.; de Jong, D.; Grewal, D. (2026): In-Store Advertising with Digital Signage. Journal of Marketing 90(3), 81–103. DOI 10.1177/00222429251351578.

Illustration einer Kundin an einem Werbedisplay im Geschäft
Symbolmotiv, keine Aufnahme des untersuchten Systems und kein Beleg für eine garantierte Kaufwirkung.

Das Ergebnis: +8,1 % Kaufwahrscheinlichkeit

Nach den Korrekturen berichten die Autoren, dass die Exposition gegenüber den In-Store-Videoanzeigen die Wahrscheinlichkeit, das beworbene Produkt zu kaufen, im Mittel um 8,1 % erhöhte. Im Modell entspricht dies einem Odds Ratio von ungefähr 1,081. Die Wirkung war nicht überall gleich: Sie fiel unter anderem bei hedonischen, neuen und niedrigpreisigen Produkten sowie bei populären Marken stärker aus. Auch Zeitpunkt, Wetter, Auslastung des Geschäfts, Botschaftstyp und die Nähe des Displays zum beworbenen Produkt moderierten den Effekt.

Was dieser Wert bedeutet

Im konkreten untersuchten Digital-Signage-System war die Kaufwahrscheinlichkeit der beworbenen Produkte bei Werbeexposition im Durchschnitt höher. Die Studie ist deshalb ein starker Beleg dafür, dass digital ausgelöste In-Store-Werbung reales Verhalten beeinflussen kann.

Was dieser Wert nicht bedeutet

Die Bildschirmgröße wurde nicht experimentell variiert. Deshalb darf daraus nicht „8,1 % mehr Umsatz durch größere Bildfläche“ oder „8,1 % mehr Käufer mit einer LED-Wand“ gemacht werden. Auch der Umsatz pro Käufer wurde nicht als entsprechender Größeneffekt nachgewiesen.

Relevanz für Messe und Event

Die Übertragung auf eine Messe ist indirekt. Ähnlich sind bewegte Inhalte, auffällige Platzierung und eine Entscheidungssituation in unmittelbarer räumlicher Nähe. Anders sind jedoch Besuchermotive, Aufenthaltsdauer, Produktkategorien, Messestandgestaltung und die Tatsache, dass ein Messebesuch selten mit einem standardisierten Kassenbon endet. Für KölnMedien ist die Arbeit deshalb am besten als Nachweis zu verwenden, dass professionell eingesetztes Digital Signage in einer realen Umgebung Verhalten messbar verändern kann – nicht als Preis- oder Umsatzgarantie für LED-Flächen.

Zulässige Kurzform für die Webseite

„Eine groß angelegte Feldstudie mit 237 Kampagnen stellte für das dort eingesetzte Digital-Signage-System durchschnittlich eine um 8,1 % höhere Kaufwahrscheinlichkeit der beworbenen Produkte fest.“ Direkt danach sollte stehen: „Die Studie untersuchte Digital Signage als Gesamtsystem; sie ist kein isolierter Test der Bildschirmgröße.“

Quelle: Originalartikel, CC BY 4.0. Für eine kommerzielle Veröffentlichung trotzdem eigene Visualisierungen bevorzugen und die Quelle vollständig angeben.

Studie 2 · 22 Zoll gegen 8 Zoll

Wie Bildschirmgröße, Erinnerung und Aufmerksamkeit getestet wurden

Illustrativer Vergleich eines großen Monitors und eines Tablets
KI-generierter Größenvergleich zur Veranschaulichung; keine maßstabsgetreue Dokumentation des Versuchsaufbaus.

Die Studie „Addressable TV Advertising Enhances Advertising Effectiveness“ wurde 2023 von Sofia Gumilevskaya, Joseph Devlin, Daniel C. Richardson, Habiba Diab, Zutao Liu und Phoebe Casey-Miller veröffentlicht. Sie untersuchte gleichzeitig zwei Faktoren: ob Werbung zur Zielgruppe der Person passte und auf welcher Bildschirmgröße sie gesehen wurde.

Teilnehmer und Rekrutierung

78 Personen meldeten sich an: 39 Frauen und 39 Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren. Sie wurden über die Marktforschungsfirma DRG in Newcastle, Großbritannien, rekrutiert. Durch einen Hardwarefehler gingen die Daten einer Person verloren. Für den Bildschirmgrößenvergleich standen damit 77 Teilnehmende zur Verfügung: 36 in der 22-Zoll-Bedingung und 41 in der 8-Zoll-Bedingung. Die Studie wurde von der universitären Ethikkommission genehmigt (EP/2019/003).

Werbespots und TV-Programme

Verwendet wurden 16 Fernsehwerbespots mit jeweils 30 Sekunden Länge. Je vier Spots gehörten zu den Kategorien Frauen/Mode-Kosmetik, Familie/Kinder, Autos sowie Mobiltelefone/Mobilfunk. Die Spots waren bereits zuvor im britischen Fernsehen gelaufen, aber mindestens sechs Monate lang nicht mehr im regulären britischen TV ausgestrahlt worden. So sollte ein starker Aktualitäts- beziehungsweise Erinnerungseffekt reduziert werden.

Die Werbung wurde in drei auswählbare Sky-TV-Programme eingebettet: Modern Family (49 Personen), Manifest (18) und Riviera (10). Manifest und Riviera wurden gekürzt, sodass Sendung plus Werbung ungefähr in ein 30-Minuten-Fenster passten. Die Spots lagen in vorhandenen Werbeunterbrechungen am Anfang, in der Mitte und am Ende; die Reihenfolge wurde zwischen den Personen randomisiert.

Der Ablauf

Zunächst trugen die Teilnehmenden ein Empatica-E4-Armband, das unter anderem Herzfrequenz und elektrodermale Aktivität aufzeichnete. Vor dem eigentlichen Programm sahen sie 4 Minuten und 14 Sekunden eines David-Attenborough-Videos über Kaiserpinguine. Dieser Abschnitt diente dazu, eine physiologische Ausgangsbasis zu erhalten. Danach wurden die Personen zufällig einem 22-Zoll-Monitor oder einem 8-Zoll-Acer-Tablet zugewiesen.

Nach dem Programm absolvierten alle den Gedächtnistest auf gleich großen Laptops. Gezeigt wurden einzelne Bilder beziehungsweise Markenbilder aus gesehenen Spots sowie ähnliche, nicht gesehene Vergleichsbilder. Die Personen entschieden jeweils „gesehen“ oder „nicht gesehen“. Gemessen wurden Trefferquote, Reaktionszeit und der Weg des Mauszeigers.

Gumilevskaya et al. (2023), Organizations and Markets in Emerging Economies 14(2), 386–411. DOI 10.15388/omee.2023.14.98. CC BY 4.0.

73,1 % vs. 69,5 % – aber nicht jede Differenz ist gleich stark

Bildschirmgrößenvergleich: Ergebnisse und Evidenz
Messgröße22 Zoll8 ZollEinordnung der Autoren
Wiedererkennungsgenauigkeit73,1 %69,5 %Schwache Evidenz, MPE = 84,2 %
Reaktionszeit2.008 ms2.182 msStarke Evidenz, MPE = 94,70 %

Erinnerungsgenauigkeit

Bei zuvor auf dem 22-Zoll-Bildschirm gesehenen Anzeigen lag die spätere Wiedererkennungsgenauigkeit bei 73,1 %. In der 8-Zoll-Bedingung waren es 69,5 %. Die Differenz beträgt 3,6 Prozentpunkte. Die Autoren analysierten bayesianisch und bewerteten die Evidenz für diesen Genauigkeitsunterschied mit MPE = 84,2 % als schwach, nicht als starken Beleg.

Reaktionszeit

Deutlicher war die Geschwindigkeit der Wiedererkennung: 2.008 Millisekunden nach Betrachtung auf dem größeren Display gegenüber 2.182 Millisekunden nach dem kleinen Gerät. Für diesen Bildschirmgrößeneffekt berichten die Autoren MPE = 94,70 % und damit nach ihrer eigenen Einordnung starke Evidenz. Wichtig: Die Reaktionszeit wurde erst im anschließenden Gedächtnistest auf einem einheitlichen Laptop gemessen – sie beschreibt also, wie schnell das vorher Gesehene wiedererkannt wurde.

Herzfrequenz als Aufmerksamkeitsindikator

Für die Herzfrequenz lagen nach der Datenbereinigung vollständige Werte von 69 Personen vor. Die Herzfrequenz war während der Werbung auf dem großen Bildschirm im Mittel um 2,7 Schläge pro Minute niedriger als auf dem Handheld-Gerät. Die Studie interpretiert die Verlangsamung als Hinweis auf stärkere externe Fokussierung; die Evidenz für den Bildschirmgrößeneffekt auf die Herzfrequenz war mit MPE = 96,2 % stark. Elektrodermale Daten waren aufgrund vieler Artefakte nur für 45 Personen vollständig und wurden nicht weiter ausgewertet.

Was keinen Unterschied zeigte

Die Bildschirmgröße veränderte das selbstberichtete Gefallen an den Anzeigen nicht sinnvoll (MPE = 59,3 %). Auch die Mauspfade im Gedächtnistest zeigten keinen sinnvollen Bildschirmgrößeneffekt. Die Untersuchung misst außerdem keine Verkäufe und keinen Umsatz. Die Autoren betonen selbst, dass sie daraus keine direkte Wirkung auf Absatz oder Gewinn ableiten können.

Empfohlene Webseiten-Aussage

„In einem kontrollierten Werbeexperiment wurden nach 22-Zoll-Darstellung Inhalte schneller wiedererkannt als nach 8 Zoll; außerdem zeigte die Herzfrequenzmessung einen stärkeren externen Aufmerksamkeitsfokus. Die Differenz in der Trefferquote war kleiner und statistisch schwächer belegt.“

Quelle: Gumilevskaya et al. (2023), Ergebnisse und Diskussion.

Studie 3 · Physische Bildgröße und Presence

Der ungewöhnliche Test: gleiche Bildwirkung auf der Netzhaut, andere reale Größe

Schematische Illustration einer kleinen und einer großen Western-Projektion
KI-generierte Western-Szene, kein Original-Filmstill. Die Anordnung ist schematisch; gleicher Sehwinkel wurde in der Studie über unterschiedliche Betrachtungsabstände erreicht.

Troscianko, Meese und Hinde wollten eine subtilere Frage beantworten: Reicht die reale physische Größe eines Bildes aus, um das subjektive Eintauchen in einen Film zu verändern, selbst wenn die Netzhautabbildung beziehungsweise der Sehwinkel praktisch gleich gehalten wird?

Experiment 1: 40 Personen

40 Personen nahmen einzeln teil. 20 sahen die große und 20 die kleine Projektion. Niemand hatte den verwendeten Film zuvor gesehen. Gezeigt wurden die ersten 45 Minuten von „The Good, the Bad and the Ugly“. Die Projektion erfolgte mit einem Sony CX20 XGA bei 1.024 × 768 Pixeln.

1,50 × 1,125 mgroß bei 2,61 m
0,89 × 0,668 mklein bei 1,55 m
32,9° × 24,7°Sehwinkel in beiden Bedingungen

Die größere Projektion wurde aus größerer Entfernung betrachtet. Auf diese Weise nahm das Bild im Gesichtsfeld in beiden Bedingungen denselben Winkel ein. Zusätzlich wurde die lokale Leuchtdichte angeglichen. Damit isolierten die Forscher die physische Größe besser als bei einem gewöhnlichen Vergleich, bei dem „größer“ automatisch auch „mehr Gesichtsfeld“ bedeutet.

Wie „Presence“ gemessen wurde

An 16 vorab festgelegten Stellen im Film leuchtete für eine Sekunde eine LED auf. Acht Messpunkte lagen in besonders ausgeprägten Gesichtsszenen, acht in Landschafts-/Ortsszenen. Unmittelbar danach markierten die Personen auf einer 9,8 cm langen Linie, wie sehr sie sich gerade „in der Geschichte“ fühlten – von bloßem Betrachten bis vollständig im Geschehen. Die Markierung wurde anschließend in einen Prozentwert der Linienlänge umgerechnet.

Troscianko, T.; Meese, T. S.; Hinde, S. (2012): Perception while watching movies: Effects of physical screen size and scene type. i-Perception 3(7), 414–425. DOI 10.1068/i0475aap.

Experiment 1 deutlich, Experiment 2 vorsichtiger

Die subjektive Presence stieg mit der physischen Bildschirmgröße signifikant an. Bei Gesichtsszenen lagen die Mittelwerte bei 66,02 für die große und 47,76 für die kleine Projektion. Bei Landschaftsszenen waren es 60,48 gegenüber 39,66. Der Haupteffekt der Bildschirmgröße war F(1,38) = 30,49; p < .001. Gesichtsszenen erzeugten unabhängig von der Bildschirmgröße höhere Presence-Werte als Landschaftsszenen.

Experiment 2: 30 weitere Personen

Im zweiten Experiment nahmen 30 weitere Personen teil, je 15 pro Größenbedingung. Die Bildschirmabstände, Winkel, Leuchtdichte und der Projektor blieben vergleichbar. Zusätzlich trugen die Personen Messtechnik für Pupillendurchmesser und reagierten auf ein akustisches Signal per Tastendruck. Die Presence-Ratings verliefen zwar in dieselbe Richtung wie in Experiment 1, der Bildschirmgrößen-Haupteffekt war diesmal aber nicht signifikant (F(1,28) = 1,644; p = .21). Auch Reaktionszeit und Pupillendilatation zeigten keinen signifikanten Haupteffekt der Bildschirmgröße.

Warum diese Einschränkung wichtig ist

Die Arbeit liefert einen interessanten, methodisch starken Hinweis darauf, dass physische Größe mehr sein kann als bloßer Sehwinkel. Der Größenbefund wurde in der eigenen zweiten Teilstudie jedoch nicht statistisch repliziert. Für Werbung ist deshalb die Formulierung „kann das subjektive Eintauchen verstärken“ deutlich sauberer als „bewirkt nachweislich X Prozent mehr Aufmerksamkeit“.

Rechte an Bildern und Filmreferenzen

Für diesen KölnMedien-Report werden keine Filmstills, Schauspielerfotos oder Originalgrafiken der Studie übernommen. Die Western-Szene im bereitgestellten Report ist eine eigenständig generierte, generische Visualisierung des Versuchsprinzips und stellt keine Filmszene oder reale Person dar. Der Filmtitel wird ausschließlich als sachliche Angabe des eingesetzten Stimulus genannt.

Quelle: Die über Aston University zugängliche Fassung ist mit CC BY-NC-SA 3.0 gekennzeichnet und erlaubt nur nichtkommerzielle Nutzung unter den Lizenzbedingungen. Deshalb werden in diesem kommerziellen Report keine Originalabbildungen dieser Arbeit reproduziert.

Einordnung · Von der Studie zur Medientechnik

Was sich für große Bildflächen verantwortungsvoll ableiten lässt

Illustration einer Präsentation vor großem Köln-Display auf einer Messe
Symbolische Anwendungsszene; die Übertragung der Studien auf Messe und Event erfordert eine gesonderte Einordnung.

Die drei Arbeiten bilden keine gemeinsame Metaanalyse und untersuchen weder dieselben Zielgruppen noch dieselben Medienumgebungen. Trotzdem ergänzen sie sich konzeptionell. Studie 3 beschäftigt sich mit subjektiver Immersion. Studie 2 misst Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Studie 1 zeigt, dass Digital Signage in einem realen Verkaufskontext bis zum tatsächlichen Kaufverhalten reichen kann.

Eine plausible Wirkungskette – aber kein Naturgesetz

Für die Praxis lässt sich eine Wirkungskette als fachliche Hypothese beschreiben: Sichtbarkeit und physische Präsenz können die Chance erhöhen, dass Inhalte wahrgenommen werden. Aufmerksamkeit beeinflusst, wie tief Informationen verarbeitet werden. Bessere Verarbeitung kann Erinnerung begünstigen. Unter passenden Bedingungen kann Wahrnehmung wiederum Verhalten beeinflussen. Jede Stufe hängt aber von Inhalt, Kontrast, Helligkeit, Bewegung, Entfernung, Wettbewerb um Aufmerksamkeit, Zielgruppe und Situation ab.

Was für eine Messe besonders zählt

  • Sichtachse: Die Bildfläche muss aus den relevanten Besucherströmen überhaupt frei sichtbar sein.
  • Betrachtungsabstand: Pixelpitch, Bildhöhe und Content-Detail müssen zur realen Distanz passen.
  • Bewegung mit Funktion: Motion kann Aufmerksamkeit auslösen; permanentes hektisches Bewegtbild kann dagegen überfordern.
  • Inhalt vor Quadratmeterzahl: Ein klarer visueller Gedanke schlägt eine große Fläche mit kleinteiligem, textlastigem Content.
  • Wiedererkennbare Markenführung: Große Screens verstärken auch schlechte Gestaltung. Kontrast und Botschaft müssen zuerst stimmen.
  • Messbarkeit: Für Messeziele sollten Kontakt, Verweildauer, Lead-Rate oder konkrete Interaktionen separat gemessen werden.

Formulierungen, die wir verwenden können

Belastbar

„Kontrollierte Studien zeigen, dass Bildschirmgröße unter bestimmten Bedingungen Aufmerksamkeit, Wiedererkennung und subjektive Immersion beeinflussen kann. Eine große Feldstudie zeigt zusätzlich, dass Digital Signage im realen Handel Kaufverhalten messbar verändern kann.“

Nicht verwenden

„Große LED-Wände erzeugen garantiert 30–70 % mehr Aufmerksamkeit.“ / „8,1 % mehr Umsatz allein durch größere Bildfläche.“ / „Je größer die LED-Wand, desto höher automatisch der Verkauf.“

Fachliche Einordnung von KölnMedien auf Grundlage der drei getrennt aufgeführten Studien; keine gemeinsame Effektberechnung.

Rechtlicher Rahmen · Deutschland

Zitieren, visualisieren, werben – der konservative Rahmen

Illustration eines Arbeitsplatzes mit Laptop, Büchern und Köln-Bezug
KI-generiertes redaktionelles Symbolmotiv aus der Reportvorlage.

Dieser Abschnitt ist eine allgemeine redaktionelle Einordnung und keine individuelle Rechtsberatung. Für eine besonders aggressive Werbekampagne, Printauflage oder streitige Nutzung fremder Abbildungen sollte die finale Fassung vor Veröffentlichung anwaltlich geprüft werden.

1. Ergebnisse in eigenen Worten wiedergeben

Wissenschaftliche Ergebnisse und Tatsachen dürfen grundsätzlich beschrieben werden. Der sicherste Weg für diesen Report ist deshalb: Versuch und Resultate in eigenen Worten erklären, konkrete Zahlen nur dort nennen, wo sie aus der Studie stammen, und unmittelbar eine vollständige Quelle angeben. Längere Textpassagen aus dem Original werden nicht übernommen.

2. Zitatrecht – § 51 UrhG

§ 51 UrhG erlaubt die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, soweit der Umfang durch den besonderen Zitatzweck gerechtfertigt ist. Ein Zitat muss also eine Funktion im eigenen Werk haben – etwa eine Aussage belegen, erläutern oder kritisch einordnen. Eine Quelle einfach als Dekoration oder zur Aufwertung des eigenen Marketings zu kopieren, ist kein sicherer Zitatzweck.

Rechtsgrundlage: § 51 UrhG – Zitate.

3. Quellenangabe – § 63 UrhG

Wenn eine Nutzung auf einer urheberrechtlichen Schranke wie § 51 beruht, verlangt § 63 UrhG grundsätzlich eine deutliche Quellenangabe. In der Praxis nennen wir deshalb Autorinnen und Autoren, Titel, Jahr, Zeitschrift, Seiten und DOI. Bei wörtlichen Zitaten wird die fremde Formulierung klar als Zitat markiert.

Rechtsgrundlage: § 63 UrhG – Quellenangabe.

4. Creative Commons

Studie 1 ist von SAGE unter CC BY 4.0 veröffentlicht. Studie 2 ist ebenfalls CC BY 4.0. Diese Lizenz erlaubt auch kommerzielle Nutzung und Bearbeitungen, sofern die Attribution korrekt erfolgt und Änderungen kenntlich gemacht werden. Trotzdem verwendet dieser Report weitgehend eigene Visualisierungen, weil das gestalterisch konsistenter ist und mögliche Rechte an einzelnen Drittmaterialien vermeidet. Studie 3 ist in der Aston-Fassung als CC BY-NC-SA 3.0 gekennzeichnet; für eine Unternehmensbroschüre werden daraus daher keine Originalabbildungen übernommen.

5. Irreführende Studienwerbung – § 5 UWG

§ 5 UWG verbietet irreführende geschäftliche Handlungen. Gerade bei einer Unternehmensseite ist deshalb entscheidend, dass aus einem Forschungsergebnis kein weitergehendes Leistungsversprechen gemacht wird. Wenn eine Studie Kaufwahrscheinlichkeit in einem Supermarkt misst, darf sie nicht als Beweis für einen garantierten Umsatzanstieg auf einer Messe präsentiert werden. Einschränkungen gehören in unmittelbare Nähe der Aussage – nicht nur in ein weit entferntes Kleingedrucktes.

Rechtsgrundlage: § 5 UWG – Irreführende geschäftliche Handlungen.

Redaktionelle Grundregel

Messwert → Quelle → Einordnung → Grenze. Wenn dieser Viererschritt eingehalten wird, bleibt für den Leser sichtbar, was die Studie gemessen hat und was KölnMedien daraus fachlich ableitet.

Rechtsgrundlagen: UrhG §§ 51, 63; UWG § 5. Stand des Reports: September 2026. Keine individuelle Rechtsberatung.

Transparente Quellen

Kernquellen und Bildhinweise

  1. Herhausen, Dennis; de Jong, David; Grewal, Dhruv (2026). In-Store Advertising with Digital Signage. Journal of Marketing, 90(3), 81–103. Online first 9 June 2025. DOI: 10.1177/00222429251351578. Open Access: CC BY 4.0.
  2. Gumilevskaya, Sofia; Devlin, Joseph; Richardson, Daniel C.; Diab, Habiba; Liu, Zutao; Casey-Miller, Phoebe (2023). Addressable TV Advertising Enhances Advertising Effectiveness. Organizations and Markets in Emerging Economies, 14(2/28), 386–411. DOI: 10.15388/omee.2023.14.98. CC BY 4.0.
  3. Troscianko, Tom; Meese, Timothy S.; Hinde, Stephen (2012). Perception while watching movies: Effects of physical screen size and scene type. i-Perception, 3(7), 414–425. DOI: 10.1068/i0475aap. Aston repository copy: CC BY-NC-SA 3.0.
  4. Bundesministerium der Justiz / Gesetze im Internet. Urheberrechtsgesetz § 51 (Zitate), § 63 (Quellenangabe); Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb § 5 (Irreführende geschäftliche Handlungen).

Bild- und Rechtehinweis

Die für den bereitgestellten KölnMedien-Report verwendeten Bildmotive wurden neu generiert und nicht aus den Studien, Filmen oder fremden Webseiten übernommen. Das offizielle KölnMedien-Logo stammt aus der vom Auftraggeber bereitgestellten Originaldatei. Die Studie-3-Visualisierung zeigt eine generische Western-Szene und keinen Filmscreenshot oder realen Schauspieler.

KölnMedien Studienreport 2026 · Webfassung auf Grundlage des bereitgestellten Work-Masters · September 2026.

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